Rezension
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15.10.2025 / RezensionRechte Kulturalisierung der Arbeit und konfliktorientierte GewerkschaftspolitikIn einer Sammelrezension führe ich Beiträge aus drei jüngst erschienen Publikationen zusammen, die sich Arbeitskämpfen, Gewerkschaften und der autoritären Rechten in der Arbeitsgesellschaft widmen.
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14.10.2025 / RezensionWie weiter mit der Arbeit? – Kartierung der ArbeitsgesellschaftDer Sammelband „Wie weiter mit der Arbeit?“ kartiert die Entwicklung der Arbeitsgesellschaft. Die Herausgeber:in Anke Hassel und Wolfgang Schroeder sind überzeugt, dass wer den Sozialstaat erneuern will, muss die Arbeitsgesellschaft verstehen. Dazu will der Sammelband einen Beitrag leisten.
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09.10.2025 / RezensionDemokratie braucht UngehorsamDie Journalisten Matthias Meisner und Paul Starzmann zeigen, warum Demokratie mehr braucht als Zustimmung – nämlich Widerspruch. Ihr Buch „Mut zum Unmut“ ist ein Plädoyer für die unterschätzte Tugend des Widersprechens, eine Anleitung zur Selbstbehauptung in Zeiten wachsender Anpassung und eine Einladung, die eigene Renitenz als politische Haltung zu begreifen.
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02.10.2025 / RezensionDemokratische Institutionen im Visier der AfDOb Parlamente, Polizei und Schulen oder Bauernverbände und Gewerkschaften: Der Sammelband Autoritäre Treiber eines Systemwechsels herausgegeben vom Rechtswissenschaftler Günter Frankenberg und dem Autoritarismusforscher Wilhelm Heitmeyer beschreibt die Strategien der AfD, Institutionen zu destabilisieren. Das Buch versteht sich als Frühwarnsystem und legt eindringlich offen, wie die AfD Institutionen angreift, um einen autoritären Systemwechsel vorzubereiten.
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01.10.2025 / RezensionZiviler Verfassungsschutz im PraxistestDas Thüringen-Projekt des Verfassungsblogs nahm ab 2023 vorweg, was nach der Thüringer Landtagswahl im Herbst 2024 Realität wurde: eine AfD als stärkste Fraktion im Landtag. Rechtzeitig vor den Wahlen 2026 liegen nun 35 ausgewählte Blogtexte aus dem Projekt versammelt in einem Buch vor. Ein wichtiges Buch, denn wehrhaft ist unsere Demokratie laut Verfassung. Resilient wird sie durch konkretes Tun.
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30.09.2025 / RezensionDemokratie einfach erklärt – und zum Mitmachen ermutigtDemokratie lebt davon, dass niemand „zu Dummie“ ist, um mitzureden und mitzugestalten. Doch wie genau funktioniert politische Teilhabe? Julia Karnahls neues Buch liefert einen klar strukturierten Leitfaden: Von Gewaltenteilung und Föderalismus über Wahlrecht und Petitionen bis hin zu Fragen, mit denen Bürger:innen Politiker:innen konfrontieren können. Damit ermutigt es, Demokratie nicht nur zu verstehen, sondern als eigene Aufgabe zu begreifen.
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30.08.2025 / RezensionExil in Bildern: Stefan Zweigs letzte ReiseFlucht wird in der öffentlichen Debatte oft entpersonalisiert verhandelt. Die Graphic Novel Die letzten Tage von Stefan Zweig erinnert daran, dass hinter abstrakten Begriffen wie Migration oder Exil konkrete Schicksale stehen – geprägt von Verlust, Sehnsucht und der Suche nach einem Ort der Sicherheit.
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26.08.2025 / Rezension»Max braucht Gesellschaft« - 70 Jahre Kulturpalast UnterwellenbornDer Kulturpalast Unterwellenborn gilt als bedeutendes Beispiel der DDR-Baukultur – und als Sorgenfall des Denkmalschutzes. Zum 70. Jubiläum widmet sich ein Sammelband seiner Geschichte, Architektur und gesellschaftlichen Bedeutung. Persönliche Erinnerungen, kulturpolitische Analysen und künstlerische Perspektiven zeichnen ein facettenreiches Bild eines Ortes, der weit über die Region hinausweist und dessen Zukunft offen bleibt.
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05.07.2025 / RezensionDie alte Tante SPD auf dünnem EisDie alte Tante SPD auf dünnem Eis Der Band »Auf dünnem Eis. Die SPD in Krisenzeiten« von Gerd Mielke und Fedor Ruhose liefert eine kenntnisreiche Analyse der strukturellen Erosion der SPD und reiht sich ein in die umfangreiche Krisenliteratur zur deutschen Sozialdemokratie. Die Autoren plädieren dafür, dass die funktionale Regierungspartei SPD eine Rückbesinnung auf bewährte Erzählmuster als Partei eines erneuerten sozialen Grundkonsenses vornimmt. Doch es bleibt offen, wie diese neue gesellschaftliche Verankerung der SPD konkret gelingen soll. Wer verstehen möchte, warum die SPD auf dem politischen Eis ins Straucheln geriet, wird fündig. Wer erfahren will, wie sie wieder festen Boden unter die Füße bekommt, muss vorerst weiterblättern.
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01.07.2025 / RezensionDrei Bücher zur extremen RechtenDrei aktuelle Bücher beleuchten die ideologischen, historischen und strategischen Dimensionen der extremen Rechten: Stefan Dietl behandelt Antisemitismus in der AfD, stützt sich dabei aber auf bekannte Fälle und entwickelt eine fragwürdige These über eine angeblich „antifaschistische Sprachlosigkeit“. Marcel Lewandowsky analysiert die globale Rechte präzise, differenziert nach Akteuren, Ideologien und Strukturen – und bietet dabei auch für informierte Leser:innen neue Einsichten. Volker Weiß legt eine detaillierte Studie zur begriffspolitischen Umdeutung von Geschichte vor und zeigt, wie rechte Diskurse Deutungshoheit über historische Narrative gewinnen wollen.
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10.06.2025 / RezensionDas Gemälde als ZeitzeuginWas erlebt ein Kunstwerk im Lauf von 80 Jahren des 20. Jahrhunderts? Die Graphic Novel »Zwei weibliche Halbakte« des französischen Zeichners Luz erzählt die Geschichte des Gemäldes, vom Expressionisten Otto Mueller 1919 gemalt – aus der Perspektive des Bildes. Das Werk führt uns durch Ateliers, NS-Depots und Museen, erzählt von Sammlern, Verfolgten, Profiteuren, der zähen Praxis der Restitution und später Gerechtigkeiten.
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26.05.2025 / RezensionDiskursive Schuldabwehr und Shoah-Trivialisierung von rechts und linksIn ihrem Working Paper „‚Schuldkult‘ und ‚German Guilt‘“ analysiert Elke Rajal, wie nach dem Hamas-Massaker am 7. Oktober 2023 sowohl in der extremen Rechten als auch in Teilen der antiimperialistischen Linken diskursive Mechanismen wirksam wurden, die Schuldabwehr, Shoah-Trivialisierung und antisemitische Narrative befördern. Ohne diese Milieus gleichzusetzen, arbeitet Rajal heraus, dass sich bestimmte Muster – etwa die Vorstellung, Holocaust-Erinnerung sei primär ein Herrschaftsinstrument – über ideologische Grenzen hinweg ähneln. Die Autorin verbindet präzise Textanalysen, theoretische Fundierung und empirische Daten und liefert damit einen wichtigen Beitrag zu den aktuellen Debatten über Erinnerungspolitik, Antisemitismus und Projektionen historischer Verantwortung.
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20.05.2025 / RezensionIn der Stadt liegt die KraftKlimapolitik, Bildung, Integration, Demokratie – vieles entscheidet sich nicht im Bundestag, sondern im Stadtrat. Peter Kurz war 16 Jahre Oberbürgermeister von Mannheim. In seinem Buch "Gute Politik" argumentiert der Sozialdemokrat für eine Politik, die von unten denkt. Sein Buch ist eine Einladung, Stadtpolitik als strategischen Ort demokratischer Erneuerung zu begreifen – jenseits populistischer Spaltungsnarrative, mitten im Alltag pluraler Gesellschaften.
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23.04.2025 / RezensionZu zaghaftes Bürokratopia"Bürokratopia. Wie Verwaltung die Demokratie retten kann" ist ein Plädoyer für die Reformfähigkeit und demokratische Kultur im öffentlichen Dienst. In einer Zeit, in der die Staatsreform es prominent in den schwarz-roten Koalitionsvertrag schaffte, analysiert Julia Borggräfe die strukturellen Ursachen für das Scheitern vieler Staatsreformen. Sie plädiert für eine Verwaltung mit einem strategischen Kompass für zukunftsorientierte Entscheidungen und Verwaltungsprozesse aus Perspektive der Bürger:innen. Meine Rezension diskutiert zentrale Thesen des Buches, würdigt seine Stärken und benennt zugleich Brüche und Leerstellen. Zu oft verbleibt das Buch im Konjunktiv, weshalb auch die Top-12-Prioritäten am Ende des Buches mehr versprechen als sie halten.
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20.04.2025 / RezensionTransformation als Versprechen, Bilanz – und Bruch.Im Dezember 2021 versprach die Ampelkoalition „mehr Fortschritt wagen“. Drei Jahre später war dieses Projekt am Ende. Der Haushaltsbruch, der Koalitionskonflikt, die Entlassung Lindners und der Verlust der politischen Mehrheit machten deutlich: Die Transformation, von der Regierung wie Gesellschaft reden wollten, ließ sich nicht einfach regieren. Zwei Sammelbände – Zwischen Zumutung und Zuversicht (hg. vom Bundeskanzleramt) und Transformationspolitik. Anspruch und Wirklichkeit der Ampel-Koalition (hg. von Knut Bergmann und Christoph Diermeier) – ziehen auf unterschiedliche Weise Bilanz: analytisch, selbstkritisch, strategisch. Die kombinierte Rezension stellt beide Werke vor und betont, dass aus diesem Scheitern für die Zukunft progressiver Politik zu lernen ist.
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10.04.2025 / RezensionUnausgeschöpfte Gelegenheit zur Tiefenbohrung bei der documenta fifteenWas bleibt vom Streit um die documenta fifteen? Der von Heinz Bude und Meron Mendel herausgegebene Band »Kunst im Streit« versammelt Perspektiven auf eine der folgenreichsten Kunstdebatten der Gegenwart. Dessen Beiträge widmen sich der documenta fifteen als Konfliktfeld zwischen Antisemitismuskritik und postkolonialem Denken, schauen auf die Umsetzung der kuratorischen Konzeption von Ruangrupa und nehmen die documenta-Stadt Kassel mit ihren unterschiedlichen Akteur:innen in den Blick. Leerstellen bleiben.
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01.04.2025 / RezensionEine Welt zu verlieren, Ketten zu gewinnen.Pierre-Héli Monot liest in seinem Buch "Hundert Jahre Zärtlichkeit" den Surrealismus nicht als ästhetische sondern bürgerlich-revolutionäre Bewegung gegen das Bürgertum. Seine Analyse verbindet die Kritik der bürgerlichen Heuchelei mit einer scharfen Diagnose der historischen und gegenwärtigen Rolle der Mittelschichten. Seine Empfehlung an heutige Bewegungen lässt sich mit dem Alten Testament zusammenfassen: „„Hüte dich vor deinen Feinden und vor deinen Freunden nimm dich in Acht.“ (Sirach 6,13).
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14.03.2025 / RezensionAmbivalenzen beim Blick in den (Hand-)Spiegel der GeschichteDie Kunst aus der DDR und ihre Künstler:innen sind auch weiterhin mit dem verbreiteten Klischee konfrontiert, sie könnten in Staatskunst einerseits und dissidentische Künstler:innen andererseits klar geschieden werden. Die Wirklichkeit ist komplexer und ihr sind Widersprüche immanent. Davon zeugen sowohl der im vergangenen Jahr von Melanie Franke herausgegebene Sammelband „Selbsterzählungen und Umbruchspuren im Œuvre von Künstler:innen aus der DDR“, als auch die gegenwärtig in dem vom SAP-Mitgründer und Sammler Hasso Plattner finanzierten Potsdamer Kunsthaus „DAS MINSK“ zu sehende Ausstellung „Im Dialog“.
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05.03.2025 / RezensionJüdische Linke im Porträt: Widerständler:innen, Intellektuelle, Aktivist:innenVon Moses Hess bis Isabel Frey, von jüdischen Widerstandskämpfer:innen wie Zofia Poznáska bis zu Intellektuellen in der DDR wie Helene Weigel oder Anna Seghers: Der vierte Band der Buchreihe „Jüdinnen und Juden in der internationalen Linken“ stellt erneut bekannte und weniger bekannte Persönlichkeiten vor, die jüdische Geschichte und linke Bewegungen prägten.
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03.03.2025 / RezensionCorona und die soziale Frage: Wie die Pandemie Ungleichheiten verschärfteDie Pandemie ist vorbei, die Debatten darüber nicht. Wie gelingt eine ehrliche Aufarbeitung ohne politische Spaltung? Ein neues Buch bietet empirisch fundierte Antworten aus Sicht der Arbeitsmarkt- und Sozialforschung.