Geschichte
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09.04.2025 / GeschichteUmkämpfte Erinnerungspolitik.Im 80. Jahr der Befreiung vom Nationalsozialismus zeigt sich: Erinnerung ist kein neutraler Akt, sondern ein politisch umkämpftes Terrain. Staatliche und religiöse Akteure – von der israelischen Botschaft bis zu evangelikalen Bewegungen – versuchen, Deutungshoheit über Geschichte zu erlangen. Im Zentrum des nachfolgenden Textes steht die Kontroverse um die Ausladung des Philosophen Omri Boehm von der Gedenkveranstaltung in Buchenwald und die ideologische Inszenierung Dietrich Bonhoeffers im US-amerikanischen Spielfilm Bonhoeffer – Pastor, Spy, Assasin sowie die Frage, wie Erinnerungskultur heute gegen politische Vereinnahmung verteidigt und offen gehalten werden kann. Dokumentiert wird in dem Kontext ein Gespräch mit Tobias Korenke, das ich in meinem Podcast Kunst der Freiheit führte.
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18.02.2025 / GeschichteThe World Turned Upside DownWas verbindet den Deutschen Bauernkrieg mit einer Hippie-Kommune in San Francisco? Die englische Digger-Bewegung 1649 besetzte brachliegendes Land und interpretierte die Abschaffung des Privateigentums als Gottes Willen. Wie der deutsche Thomas Müntzer begründete der Engländer Gerrard Winstanley seine radikalen gesellschaftlichen Vorstellungen theologisch und sah in Gott eine Quelle für soziale Gerechtigkeit. Nicht vornehmlich religiös motiviert aber in der historischen Tradition sahen sich die Diggers der 1960er Jahre in San Francisco, die Gratisläden einrichteten und eine geldlose Gegenkultur propagierten. Radikale Visionen von Freiheit und Gleichheit prägten nicht nur politische Bewegungen, sondern hinterließen Spuren in Musik, Literatur und Film – von Billy Bragg bis Game of Thrones – sondern sind bis heute aktuell.
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25.01.2025 / GeschichteOpfer ohne Stolpersteine: Von den Rändern der Gesellschaft ins Zentrum der ErinnerungDie Ausstellung „DIE VERLEUGNETEN Opfer des Nationalsozialismus 1933 - 1945 - heute “ in Berlin widmet sich den als „Asoziale“ und „Berufsverbrecher“ stigmatisierten Opfern des NS-Regimes – und der erschreckenden Kontinuität sozialer Diskriminierung bis heute.
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23.01.2024 / Geschichte1924 - Der erste Tabubruch in ThüringenNach der Landtagswahl vor 100 Jahren paktierten die bürgerlichen Parteien mit der NSDAP-Tarnorganisation "Vereinigte Völkische Liste". Im Ergebnis wurde das Bauhaus aus Weimar vertrieben, Thüringen zur rechten Hochburg und 1929 saßen die Nazis in der Regierung.
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15.11.2023 / GeschichteLinksrepublikanische Gelegenheiten: Die Volksfrontregierungen in Sachsen und Thüringen 1923Das Krisenjahr 1923 gilt als Bewährungsprobe der Weimarer Republik. Die beiden mitteldeutschen Arbeiterregierungen gelten als Teil der kumulierten Krisenerscheinungen. Zwei verdienstvolle Publikationen holen die kurzlebige und von der Reichswehr gewaltsam beendete Zusammenarbeit von Sozialisten und Kommunisten in Sachsen und Thüringen aus dem Vergessen.
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14.01.2022 / GeschichteGeschichten vom Maulwurf und »Projekt verbindende Klassenpolitik«Gleich zwei Publikationen der sich in den 1960er Jahren herausbildenden Neuen Linken blickten im vergangenen Jahr auf ihr 50. Jubiläum zurück: Im Juni 1971 erschien das erste Sonderheft der »Probleme des Klassenkampfes – Zeitschrift für politische Ökonomie und sozialistische Politik«. Im Dezember desselben Jahres wurde die erste Ausgabe des »Arbeiterkampfes – Arbeiterzeitung des kommunistischen Bundes« verteilt. Auf dem Community-Blog der Wochenzeitung "Der Freitag" blicke ich auf diese beiden sehr unterschiedlichen Zeitschriften und die Lernerfahrungen für eine heutige verbindende Klassenpolitik.