1. Befürwortet der Senat die Fortsetzung des Schnelltestangebots von Mann-O-Meter für HIV und Syphilis in 2010, verbunden mit einer ausführlichen Beratung zum Risikomanagement für Männer, die Sex mit Männern haben (MSM)?
2. Falls ja, werden die dazu benötigten Mittel über den Integrierten Gesundheitsvertrag (IGV) bereit gestellt?
Zu 1. und 2.:
Zumindest zum jetzigen Zeitpunkt wird eine Fortsetzung des Syphilis-Schnelltestangebots bei Mann-O-Meter aus Sicht des Senats für nicht notwendig erachtet. Dieses Angebot bei Mann-O-Meter war aus guten Gründen an die IWWIT-Kampagne geknüpft:
- Die Kampagne wird evaluiert; auf Grundlage der Ergebnisse, die im Februar dieses
Jahres vorliegen sollen, wird über das weitere Vorgehen zu entscheiden sein.
- Im Vergleich zum HIV-Schnelltest zeichnet sich der Syphilis-Schnelltest derzeit noch
durch eine zu hohe Anzahl falsch positiver Ergebnisse aus und wird daher als kritisch
eingestuft. Für ein allgemeines Screening von Bevölkerungsgruppen mag der Schnell-
test zwar geeignet sein; für das individuelle Risikomanagement lässt der Umstand
der hohen Fehlerquote jedoch vor allem hinsichtlich einer längerfristigen Perspektive
noch viele Fragen offen.
- Im Gegensatz zu den (leider auf hohem Niveau) konstanten Zahlen an HIV-Neu-
Diagnosen unterliegt die Zahl der Syphilis-Infektionen einem stetigen Auf und Ab: So
ist für 2009 mit einer deutlichen Unterschreitung der Zahlen aus 2008 zu rechnen –
und dies trotz des erweiterten Testangebots.
Eine Fortsetzung des HIV-Schnelltestangebotes für die Zielgruppe der MSM bei Mann-O-Meter wird zwar grundsätzlich befürwortet, jedoch kann das Angebot aufgrund der Aufgabenabgrenzung zum öffentlichen Gesundheitsdienst nicht aus Zuwendungen des Landes Berlin über den Integrierten Gesundheitsvertrag finanziert werden. Der öffentliche Gesundheitsdienst hält in vier Zentren für sexuelle Gesundheit und Familienplanung Angebote zur Testung auf HIV, Syphilis sowie andere sexuell übertragbare Erkrankungen vor, die auch sehr gut in Anspruch genommen werden.
3. Falls nein, welche konkrete Strategie verfolgt der Senat, um die HIV- und Syphilis-Prävention bei Männern, die Sex mit Männern haben, zu verstärken, angesichts der, laut Robert-Koch-Institut, anhaltend hohen Zahl der Neudiagnosen bei HIV und einer Steigerung der Neudiagnosen von Syphilis von 44 Prozent in Berlin von 2007 auf 2008, welches beides überwiegend die Gruppe der MSM betrifft?
Zu 3.:
Strategien zur HIV- und Syphilisprävention für Männer, die Sex mit Männern haben, werden im vom Senat zu erstellenden „Rahmenkonzept zur Prävention von HIV, Aids, sexuell übertragbaren Erkrankungen und Hepatitis-Infektionen in Berlin“ aufgezeigt werden, das im Sommer 2010 vorgelegt wird.
4. Wie soll die bundesweite Kampagne „Ich weiß, was ich tu“ (IWWIT) für Männer, die Sex mit Männern haben, von Berlin aus weiter unterstützt werden, wenn Präventionsträgern wie Mann-O-Meter und manCheck für die Umsetzung der gemeinsam mit Senatsvertretern und freien Trägern erarbeiteten Konzepte die notwendigen Mittel vorenthalten bleiben?
Zu 4.:
Kampagnen machen nur dann einen Sinn, wenn sie auch einen Kampagnencharakter besitzen, d.h. auf einen bestimmten Zeitraum beschränkt sind. Sie zeichnen sich dadurch aus, dass in bestimmten Zeiträumen besondere Aktivitäten stattfinden. Diese als Regelangebot zu verorten, führt nicht zur gewollten Motivationssteigerung. Im Übrigen sei hier nochmals darauf hingewiesen, dass Angebote zur Testung auf Syphilis und HIV durch den öffentlichen Gesundheitsdienst vorgehalten werden.