Staatssekretär Dr. Hoff bei der Impfung durch die Amtsärztin Frau Dr. Kaufhold
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Was sich gestern im Zimmer von Amtsärztin Claudia Kaufhold abgespielt hat, sah aus wie eine ganz gewöhnliche Impfung. Doch gewöhnlich waren weder der Patient noch die Krankheit, gegen die er sich impfen ließ: Berlins Gesundheitsstaatssekretär Benjamin Immanuel Hoff von der Linkspartei ließ sich offiziell als erster Berliner gegen die Influenza A impfen - besser bekannt als H1N1-Infektion oder noch besser als Schweinegrippe. Der Ordnung halber sei gesagt, dass Hoff nicht der allererste war, der sich die umstrittene Impfung verabreichen ließ - vor ihm waren bereits fünf Mitarbeiter des Krisenstabes an der Reihe. Aber immerhin war er der wichtigste Impfgast - als Chef des Krisenstabes muss er im Ernstfall einer Pandemie die Aktionen in Berlin koordinieren.
Erscheinungen im Wartezimmer
Hoff nimmt das öffentliche Impfen gelassen. "Ein Indianerherz kennt keinen Schmerz", sagt er danach, das Ganze sei "ein Vergnügen", das er jedem nur empfehlen könne. In sein Büro zurückkehren darf der redegewandte 33-Jährige dennoch nicht sofort. "Sie nehmen bitte draußen noch zehn Minuten Platz", sagt die Amtsärztin, "falls es zu Erscheinungen kommt ." Was etwas seltsam klingt, ist durchaus ernst gemeint.Denn wer sich zurzeit gegen Schweinegrippe impfen lässt, muss mit einer Vielzahl von Nebenwirkungen rechnen: Rötungen und schmerzhafte Schwellungen an der Injektionsstelle, Kopfschmerzen, Fieber, Müdigkeit, Gelenk- und Muskelschmerzen; häufig Schwellungen der Lymphknoten, Juckreiz oder Blutungen im Bereich der Einstichstelle, mit verstärktem Schwitzen, Schüttelfrost oder grippeähnlichen Symptomen; gelegentlich auch mit Frösteln, Benommenheit, Taubheit an Händen und Füßen, Schläfrigkeit, Schlaflosigkeit, Üb elkeit, Hautausschlag, Schwindel, generellem Unwohlsein, Erbrechen, Durchfall oder Bauchschmerzen. All dies listet zumindest das Informationsblatt des Bundesgesundheitsministeriums auf, das gestern im Gesundheitsamt an die Impfwilligen verteilt wurde. Allerdings, so heißt es da, klingen die Beschwerden für gewöhnlich nach ein bis zwei Tagen wieder ab.
Auch Benjamin Immanuel Hoff weiß das - und vielleicht sogar ein bisschen mehr. "Natürlich kann ich nicht ausschließen, dass es im Einzelfall auch zu längerfristigen Nebenwirkungen kommt", sagt er. Es stimme, dass an diesem Serum viel kürzer geforscht wurde als an vergleichbaren Mitteln gegen die saisonale Grippe. Doch Hoff, in diesem Fall recht pragmatisch, hat Wirkung und Nebenwirkungen abgewogen und den Schutz für wichtiger befunden. "Wir haben die Pflicht dafür zu sorgen, dass das Virus nicht mutiert", sagt er. "Und das erreicht man am ehesten durch eine hohe Impfquote."
Auch die Spanische Grippe, die 1918 binnen weniger Wochen weltweit fünfzig Millionen Menschenleben kostete, habe nicht tödlich begonnen. "Die erste Welle war harmlos, die zweite Welle todbringend." Mit seiner Impfung wolle er verhindern, dass er die Neue Grippe, wie er sie nennt, weiter verbreite.
Mit dieser Meinung gehört Hoff zu einer Minderheit. Umfragen zufolge wollen sich lediglich 13 Prozent der Deutschen gegen die Influenza A impfen lassen, in Berlin wurde Impfstoff für etwa 30 Prozent der Bevölkerung bestellt. Das ist viel, denn selbst vor der saisonalen Grippe schützen sich nur 20 Prozent.
Die Gründe für die Ablehnung der Schweinegrippeimpfung sind vielfältig. Für die einen sind es die Nebenwirkungen, andere haben keine Angst vor dieser Krankheit, die nächsten sagen, sie seien zu gesund, um sich zu infizieren. Andere fühlen sich gar zu alt für die Schweinegrippe. "Man hat ja gesehen, dass es vor allem die jüngeren erwischt", sagt Martina Schmiedhofer, Anfang fünfzig, die der Impfung von Staatssekretär Hoff quasi als Hausherrin beiwohnen durfte. Sie ist Gesundheitsstadträtin im Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf. Die Grünen-Politikerin ist sicher, dass sie nicht erkranken kann an der Grippe, sie sei "immunstabil", wie sie es nennt. "Ich bekomme ja nicht mal eine ganz normale Erkältung."
Es gibt viele Theorien, die zurzeit die Runde machen, manche sind falsch, andere richtig. "Es gibt Leute, die skeptisch sind, und Leute, die auf Nummer sicher gehen wollen", fasst Hoff zusammen. "Beides ist legitim." Allerdings, so sagt er später, sei er sicher, dass die Zahl der Skeptiker zurückgehen wird - falls die Zahl der Grippefälle zunimmt.
Eine Impfung wie jede andere wird es in keinem Fall sein.