Benjamin Hoff
13.08.2009

Mehr Kinderschutz durch mehr Hausbesuche bei Familien mit Neugeborenen

Die Senatsverwaltung für Gesundheit, Umwelt und Verbraucherschutz teilt mit

In Berlin werden seit einiger Zeit vermehrt Fälle aufgedeckt, in denen das Wohl von Kindern gefährdet ist. Das belegt erneut der Bericht über die Tätigkeit der Kinder- und Jugendgesundheitsdienste (KJGD) in Berlin 2007, den die Senatsgesundheitsverwaltung jetzt vorgelegt hat. Bei 1.123 Kindern zumeist im Alter von 0 bis 6 Jahren hat der KJGD einen Verdacht auf Kindeswohlgefährdung festgestellt. Dies ist im Vergleich zu 2006 ein Anstieg um ca. 14 % (2006: 986 Kinder). Die darin enthaltenen Angaben der Kinder mit Verdacht auf Vernachlässigung (858; 2006: 880) und Verdacht auf Misshandlung (123; 2006: 128) sind leicht rückläufig, zugenommen haben andere Gründe wie psychische Gewalt, die bisher statistisch noch nicht erfasst sind.

Für Gesundheitssenatorin Katrin Lompscher weisen die Zahlen darauf hin, dass das Berliner Netzwerk Kinderschutz greift. „Fälle, in denen die Gesundheit von Kindern und Jugendlichen gefährdet ist, werden zunehmend aufgedeckt, nicht zuletzt auch durch eine gestiegene öffentliche Aufmerksamkeit. Sieben von zehn Familien mit Neugeborenen konnte der Kinder- und Jugendgesundheitsdienst aufsuchen, mehr als in den Vorjahren. Der Hausbesuch im Rahmen des Kinderschutzes ist besonders wichtig, da er den besten Einblick in die Familien gibt und möglichen Hilfebedarf zeigt. Jede vierte Familie in Berlin, zu der ein Kontakt hergestellt wurde, befand sich in einer schwierigen Lebenslage. Der KJGD hat den Familien Hilfe- und Beratungsangebote nahegebracht.“

Insgesamt haben im Jahr 2007 die Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter in Berlin zu 22.946 Familien (2006: 23.025) mit Neugeborenen einen Erstkontakt hergestellt. (72,3 % aller Familien mit Neugeborenen; 2006: 75,0 %). Dieser Erstkontakt erfolgte als Hausbesuch (Anteil an Erstkontakten: 69,7 %; 2006: 64,2 %), telefonisch (17,6 %: 2006: 20,9 %), schriftlich (8,5 %; 2006: 7,3 %) oder in der Dienststelle (5,5 %; 2006: 7,6 %) des KJGD. In den Familien bestand weiterer Beratungsbedarf, zumeist zur wirtschaftlichen Lage, aber auch zur gesundheitlichen, psychosozialen und rechtlichen Lage. Weitergehende sozialpädagogische und sozialpädiatrische Hilfeangebote wurden mit den Familien besprochen. Dies ist ein besonders wichtiger Teil der Arbeit des KJGD, denn er soll gerade den Familien helfen, die trotz massiver Probleme von sich aus keine andere Hilfe in Anspruch nehmen. Im Bericht werden zudem Impfungen und einzelne zielgruppenorientierte Untersuchungen und Beratungen von Kindern beschrieben.

Die Statistische Kurzinformation ist abrufbar im Internetangebot der Senatsverwaltung für Gesundheit, Umwelt und Verbraucherschutz.



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