1. Wie war die Entwicklung der Syphilis-Neudiagnosen in Berlin zwischen 2001 und 2008 geordnet nach den vom Robert-Koch-Institut unterschiedenen Transmissionswegen und im Vergleich zu den anderen Bundesländern?
Zu 1.:
Laut Statistik des Robert-Koch-Instituts Berlin lässt sich die Entwicklung der Syphilis-Fälle in Berlin im Zeitraum 2001-2008 anhand der Tabelle in der Download-Datei ablesen.
Bei näherer Betrachtung der Zahlen seit 2001 ergibt sich für das Jahr 2008 in Berlin ein erheblicher Anstieg der Neudiagnosen, der wegen des deutlichen Rückgangs der Zahlen in 2007 nach etwa gleichbleibenden Zahlen in den Jahren 2003-2006 exponentiell anmutet.
Bundesweit hat Berlin in 2008 die höchste Syphilis-Inzidenz zu verzeichnen (im Vorjahr 2007 war dies in Nordrhein-Westfalen der Fall). Am stärksten war dabei ein Anstieg der Neudiagnosen bei Männern, die Sex mit Männern haben (MSM). Eine Ursache dafür könnte möglicherweise sein, dass in Großstädten frühzeitiger eine Syphilis diagnos-tiziert wird als in den übrigen Regionen, was durch häufigere Screening-Untersuch-ungen und/oder häufigere Benachrichtigungen durch erkrankte Partner bedingt sein kann. In einer Studie des Robert-Koch-Instituts zu Wissen, Einstellungen und Verhalten homosexueller Männer in Bezug auf sexuell übertragbare Infektionen (KaBaSTI-Studie) von 2006 war u. a. die Frage gestellt worden, inwiefern Screening-Untersuchungen auf das Vorliegen einer Syphilis auch ohne spezifische Symptomatik von Männern bei ihrem Arzt nachgefragt bzw. vom Arzt angeboten werden. Wertet man diese Angaben nach Wohnortgröße aus, zeigt sich in den Großstädten ein deutlich höherer Anteil von Männern, die in dem Jahr vor der Befragung eine Syphilis-Untersuchung erbeten oder angeboten bekommen haben.
2. Welche Konsequenzen zieht der Senat aus dem dramatischen Anstieg der Syphilis-Neudiagnosen bei Männern, die Sex mit Männern haben (MSM), in Berlin in 2008 (auch im Unterschied zum restlichen Bundesgebiet) für die Prävention zur sexuellen Gesundheit in dieser Zielgruppe?
Zu 2.:
Der Senat hat schon frühzeitig auf wissenschaftliche Hinweise, aber auch auf von den freien Trägern im Bereich HIV/Aids benannte Notwendigkeiten reagiert und z. B. das Handlungsfeld für diesen Bereich im Integrierten Gesundheitsvertrages (IGV) um „sexuell übertragbare Erkrankungen und Hepatitiden“ ergänzt, um den Trägern die Möglichkeit zu bieten, sexuell übertragbare Infektionen sowie Hepatitis-Infektionen in ihre Beratungs- und Präventionsangebote einzubeziehen und dies auch zuwendungs-rechtlich abzusichern. Aufgrund der Wirkungen von sexuell übertragbaren Infektionen vor allem in Hinblick auf Neuinfektionen mit HIV erstellt der Senat zurzeit ein Rahmen-konzept zur Prävention von HIV/Aids, sexuell übertragbaren Infektionen und Hepatitis-Infektionen in Berlin.
3. Wie wird der Senat gewährleisten, dass während der geplanten Testwochen der Bundeskampagne der Deutschen Aidshilfe „Ich weiß, was ich tu“ (IWWIT) zwischen September und November 2009 ein bedarfsgerechtes Schnelltestangebot für HIV und Syphilis für Männer, die Sex mit Männern haben, in Berlin vorgehalten wird?
Zu 3.:
Vorbemerkung:
Im Gegensatz zum sehr spezifischen HIV-Schnelltest zeichnet sich der Syphilis-Schnelltest (RPR/VDRL slide test) durch eine hohe Sensitivität aus. Dies bedeutet, dass diese Tests erheblich häufiger als der HIV-Schnelltest zu falsch positiven Ergebnissen führen, die dann erst mit Hilfe eines aufwändigeren Verfahrens bestätigt werden müssen. Der Syphilis-Schnelltest ist somit als Screening-Test sehr geeignet, in Zu-sammenhang mit Risikomanagement-Beratung ist er aber wenig hilfreich.
Selbstverständlich unterstützt der Senat die Bundeskampagne der DAH „Ich weiß, was ich tu“ (IWWIT). Hierzu führen die Senatsverwaltung für Gesundheit, Umwelt und Verbraucherschutz sowie der Deutsche Paritätische Wohlfahrtsverband, Landesver-band Berlin e.V. als Vertragspartner des Landes im Rahmen des Integrierten Gesund-heitsvertrages (IGV) noch im Mai Gespräche mit freien Trägern. Die Senatsverwaltung wird darüber hinaus mögliche Unterstützungsformen, die die Zentren für sexuelle Gesundheit und Familienplanung einbringen können, mit diesen eruieren und Koopera-tionen zwischen freien Trägern und öffentlichem Gesundheitsdienst unterstützen.