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Der Sozialstrukturatlas ermöglicht Einblicke in die sozialstrukturelle und sozialräumliche Entwicklung Berlins. Er beschreibt Probleme, Ursachen und Zusammenhänge von Veränderungen der sozialen und gesundheitlichen Lage. Die Daten und Analysen setzen Ort und zeitlichen Verlauf dieser Prozesse miteinander in Beziehung. Damit verbessert er die Voraussetzungen für die politische Meinungsbildung und erleichtert Bürgerinnen und Bürgern die Mitwirkung in demokratischen Entscheidungsprozessen.
Der Sozialstrukturatlas ist 2008 in zwei Teile gegliedert. Im Teil I werden die Indikatoren und die Indizes auf den verschiedenen sozialräumlichen Ebenen dargestellt. Im Teil II werden Vorschläge für eine ausgewogene stadtpolitische Entwicklung beschrieben.
Mit mehr Indikatoren und einem neuen kleinräumigen Analyseraster ( fast 450 lebensweltlich orientierte Planungsräume statt rund 330 Verkehrzellen) wird die soziale Lebenswirklichkeit in Berlin, seinen Bezirken und Stadtteilen differenzierter dargestellt als bisher. Die neue räumliche Gliederung ist gemeinsam mit den Bezirken erarbeitet und durch Senatsbeschluss festgelegt worden. Die Verfügbarkeit dieser Daten auf kleinräumiger Ebene erleichtert die Umsetzung sozialraumorientierter Planungen und Maßnahmen auf Stadtteilebene.
Dass Steglitz-Zehlendorf erneut den besten Platz der Bezirke einnimmt, belegt, wie zentral die Einkommenssituation für die soziale und gesundheitliche Lage der Menschen ist.
Besorgniserregend ist die Situation in den Bezirken Mitte und Neukölln, die die schlechtesten Plätze einnehmen. In diesen Bezirken hat sich die hohe soziale Belastung offenbar verfestigt. Ebenfalls eine starke Konzentration sozialer Probleme wird in Friedrichshain-Kreuzberg deutlich, das sich allerdings gegenüber 2003 spürbar verbessert – vom letzten auf den drittletzten Rang der Bezirke – und offenbar einen Aufwärtstrend erlebt.
Die größte Verschlechterung des Sozialindex gegenüber 2003 mit einem Verlust von vier Rängen muss der Bezirk Marzahn-Hellersdorf hinnehmen. Zwar ist die soziale Lage deutlich besser als in den genannten drei Innenstadtbezirken, dennoch hat sich der Abwärtstrend, der bereits bei der letzten Analyse erkennbar war, verstärkt.
Die Ursachen hierfür liegen vorrangig in Erwerbslosigkeit und Einkommensverhältnissen, die sich seit der Einführung von Hartz IV gerade für Familien mit Kindern verschlechtert haben.
In Berlin leben rund 700.000 Menschen von diesen staatlichen Sozialleistungen zur Sicherungihres Lebensunterhaltes. Das sind Menschen, die ihre Arbeit verloren haben oder so wenig verdienen, dass sie und ihre Familien vom Arbeitseinkommen nicht leben können. Hinzu kommen Menschen, die aus unterschiedlichen Gründen erwerbsunfähig sind, Rentnerinnen und Rentner ohne ausreichende Altersbezüge und Flüchtlinge, die Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz beanspruchen können. In diesen Familien leben rund 179.000 Kinder.
Mit der umfassenderen Aufnahme von Gesundheitsindikatoren wird auch die gesetzlich verankerte Integration von Sozial- und Gesundheitsberichterstattung fortgeführt. Erstmals werden nicht nur Daten zur Lebenserwartung, zur vorzeitigen Sterblichkeit und zu Tuberkulosefällen dargestellt und ausgewertet, sondern es kommen Aussagen zur Säuglingssterblichkeit, zu ausgewählten Ursachen vermeidbarer Todesfälle, Krebserkrankungen und zum Rauchverhalten hinzu. Die gesundheitliche und soziale Lage der Menschen weisen deutliche Abhängigkeiten voneinander auf: Wer sozial benachteiligt ist, trägt größere gesundheitliche Risiken. Und umgekehrt gilt, dass gesundheitliche Probleme zu einer Verschlechterung der sozialen Lage beitragen können.
Die Ergebnisse des Sozialstrukturatlasses unterstreichen, dass Armutsbekämpfung, der Abbau sozialer Polarisierung und die Verhinderung von Segregation weiterhin im Zentrum der Senatspolitik stehen müssen. Der Einfluss des Landes auf die Höhe der Sozialleistungen ist dabei sehr begrenzt. Auch in Zukunft wird es darauf ankommen, dafür zu sorgen, dass möglichst viele Berlinerinnen und Berliner ihren Lebensunterhalt und den ihrer Familien mit dem eigenen Arbeitseinkommen bestreiten können.
Mit Fortbildungs- und Qualifizierungsmaßnahmen kann ihnen der Wiedereinstieg in Arbeit erleichtert werden und mit dem Berliner ÖBS (Öffentlich geförderter Beschäftigungssektor) erhalten auch diejenigen eine Perspektive, die auf dem 1. Arbeitsmarkt nur geringe Chancen haben. Längerfristige sozialversicherungspflichtige Beschäftigung im sozialen und kulturellen Bereich trägt zudem dazu bei, die Infrastruktur in den Kiezen zu erhalten und auszubauen.
Gerade da, wo die sozialen Probleme am größten sind, schaffen wir ein Netz an Stadtteil- und Nachbarschaftszentren, damit Armut nicht zu Ausgrenzung und Isolation führt.
Mit der Festlegung der Richtwerte für angemessenen Wohnraum für Bezieherinnen und Bezieher von Leistungen nach dem SGB II hat der Senat ein wichtiges Instrument für den Erhalt der sozialen Mischung in den Stadtteilen in der Hand.
Mehr Teilhabe am gesellschaftlichen Leben und damit mehr Chancen garantiert der berlinpass als "Türöffner" für einen besseren Zugang zu Mobilität, Kultur, Freizeit und Sport.
Auch der demografische Wandel stellt Anforderungen an die Landespolitik. So müssen Beratungs- und Hilfsdienste rund ums Alter einschließlich eines differenzierten Pflegeangebots der älter werdenden Gesellschaft gerecht werden.
Für den Bereich Gesundheit wird an den Beispielen Gesundheitsförderung und Psychiatrieplanung erläutert, wie die unterschiedliche soziale Lage in differenzierte politische Konzepte einfließt und zu finanzieller und inhaltlicher Schwerpunktsetzung führt.
Der Senat und die Bezirke arbeiten gemeinsam mit gesamtstädtische Strategien und lokalen Projekte, um die Chancen für eine sozial ausgewogene und wirtschaftlich stabile Entwicklung der Stadt zu nutzen.
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