Benjamin Hoff
02.02.2004

Berliner PDS-Kandidaten scheitern auf Europaliste

Benjamin Hoff und Evrim Baba dürfen nicht nach Brüssel - Jan Thomsen in der Berliner Zeitung vom 02.02.2004

Für einen konsequenten Kriegsgegner ist diese Haltung erstaunlich soldatisch: Er werde jetzt nicht noch für einen der hinteren Listenplätze kandidieren, sagt Benjamin Hoff tapfer nach seiner Niederlage im Kampf um den aussichtsreichen Platz vier der PDS-Liste fürs Europäische Parlament. "So viel Disziplin muss sein." Die Enttäuschung ist ihm allerdings deutlich anzumerken. Statt vom Sommer an in Brüssel über europäische Finanzpolitik zu sprechen, statt sich als linker EU-Parlamentarier an der Integration der östlichen Beitrittsländer zu beteiligen, muss Hoff, mit seinen 27 Jahren immer wieder als politischer Wunderknabe gehandelt, nun doch weiter im Hauptausschuss des Berliner Abgeordnetenhauses schwitzen.

Das ist hart. Und zwar nicht nur für ihn. Auch Evrim Baba, die zweite Berliner Besetzung auf der vom Bundesvorstand vorgeschlagenen Liste, scheiterte am Sonntag auf dem Europaparteitag der PDS klar gegen Sahra Wagenknecht von der Kommunistischen Plattform, die Platz fünf eroberte. Als Parteistrafe für die in der PDS umstrittene Berliner Sparpolitik - für die beide Hauptstadt-Abgeordnete in den Augen vieler Genossen stehen - will Hoff das Durchfallen aber nicht verstanden wissen. Gegen ihn habe der parteilose Friedensaktivist Tobias Pflüger aus Tübingen gewinnen können, weil in der PDS Friedenspolitik nun mal eine sehr wichtige Rolle spiele, sagt Hoff. Auch im Erfolg von Sahra Wagenknecht - die keine Gelegenheit auslässt, um über die Berliner Kompromiss-Sozialisten zu schimpfen - mag er kein Richtungsvotum erkennen. "Die Partei findet offenbar, dass sie ihr das schuldig ist", sagt Hoff. Ihn erwartet jetzt in den nächsten Wochen die zermürbenden Lesungen des neuen Sparhaushalts im Parlament der Hauptstadt. "So ist das eben: Same procedure as every year."

Sein Partei- und Fraktionschef Stefan Liebich kann dem sogar eine gute Seite abgewinnen. Schließlich ist Benjamin Hoffs überbordende Produktivität mehr als hilfreich in der Partei, deren personelle Ressourcen nicht sehr weit reichen.Hoff jongliert derzeit mit einer Vielzahl von Beschäftigungen, die manch doppelt so alter Zeit-Genosse nicht einmal nacheinander bewältigen würde: Er ist einer der Haushaltsexperten der Fraktion, dazu Sprecher für Wirtschaft und Wissenschaft, nebenbei Doktorand an der Humboldt-Uni, ebendort auch Lehrbeauftragter, hilft der Deutschen Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit beim Aufbau eines Rechnungshofs in Montenegro und war schon mindestens zweimal als künftiger Staatssekretär im Gespräch, in Sachsen-A nhalt ebenso wie in Berlin. So einen kann Liebich, mit 31 Jahren selbst kaum dem Jungstar-Image entwachsen, gut gebrauchen. "Deshalb sehe ich das Ergebnis auch mit einem lachenden Auge", sagt der Parteichef.

Evrim Baba, zuständig für Frauenpolitik, mochte ihre Niederlage am Sonntag nicht kommentieren. Die 32-jährige gebürtige Kurdin hatte in den vergangenen Tagen Ärger mit ominösen Unterstützer-Schreiben für ihre Kandidatur aus kurdischen Vereinen, die nicht mit den jeweiligen Vereinsvorständen abgesprochen waren. Sie kandidiere als PDS-Politikerin, nicht als Vertreterin anderer Organisationen, argumentierte sie zwar standhaft. Doch es nützte nichts. Baba wird sich jetzt wieder für ein Verbot des Kopftuchs im Öffentlichen Dienst einsetzen können. In Berlin, nicht in Brüssel.


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